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Brief 60

Peter Bussemeyer an Kurt Hiller
Ms. Brief vom 15. September 1949
Original bei der Kurt Hiller Gesellschaft
PETER BUSSEMEYER [gedruckter Briefkopf]
Buenos Aires, 15. September 1949
Reconquista 424

Mein lieber Kurt,

vielen Dank für Deine Karte, die mich gefreut hat – denn, wenn an der ganzen dummen Geschichte mich etwas wirklich getroffen hätte, so wäre es eben das gewesen, dass diese, Deine Freundschaft, die eines der ganz grossen Dinge ist, die ich in meinem Leben erlebt habe, mir hätte verloren gehen können. Ich habe an Walther eine Kopie des Briefes an dich geschickt und ihm noch ein paar kleine Einzelheiten berichtet, die als Schlaglichter interessant waren, darunter die, dass die montevideaner Zeitung, deren Korrespondent der Jürges zu sein behauptet, nicht mehr existiert. Das wirklich Ekelhafte an diesem Kerl ist, dass er hier in Argentinien eine Reihe von ehrlichen und anständigen Menschen so sehr mit Schmutz beworfen hat, dass sie Zeit genug gebraucht haben, um sich zu säubern, und dass diese Zeit gerade in den Jahren, in denen sich das alles zutrug, besser anders und gegen einen anderen Gegner hätte verwendet werden müssen. Hier kann man jetzt mit Tataren-Nachrichten, die von Jürges stammen, nichts mehr anrichten. Die Leute hier sind, was das anbetrifft, “safe“. Aber in Deutschland, wo niemand den Herrn kennt, kann er ruhig weiter verleumden. Der Teufel soll ihn holen. Man sollte den Jürges endlich ins Irrenhaus stecken, wo er hingehört.

Mein Leben ist nach wie vor bewegungslos. Die Müdigkeit ist chronisch geworden. Ich versuche, so gut es geht, mit ihr fertig zu werden. Für Dich freue ich mich, dass es nun endlich wieder einmal so weit ist, dass ein Buch von Dir erscheinen kann. Ich freue mich, sozusagen im Nebensatz, auch noch darüber, dass Rowohlt nicht nur Dinge tut, von denen er sich, siehe Schachts Memoiren, den Sensationserfolg verspricht. Denn für eine Sensation wärest Du viel zu schade, besonders für eine rowohltsche. Aber etwas solltest Du doch tun: es scheint möglich zu werden, dass wir hier in eine Handelsbeziehung zur Westzone treten, das heisst, dass es möglich sein wird, deutsche Importe auch zu bezahlen. Ich möchte Dein Buch hier verkaufen. Bis zu fünfzig Exemplaren liessen sich sicher unterbringen. Du solltest dafür sorgen, dass ich sie so schnell wie möglich bekomme. Dieses Geschäft könnte mir endlich einmal wieder Freude machen. Wenn Du meinst, dass es möglich ist, schreib. Ich teile Dir dann alle geschäftlichen Details mit. Im Oktober hoffe ich, nach Misiones reisen zu können. Ich verspreche mir viel von frischer Luft und Tieren, vielleicht auch wieder etwas Geschriebenes oder Gemaltes. Einstweilen, wie gesagt, geht es mir nicht sehr gut. Viel zu viele Sorgen um Dinge, die mich eigentlich nichts angehen.

Sei von ganzem Herzen gegrüsst von Deinem

Peter

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