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Brief 69

Peter Bussemeyer an Kurt Hiller
Hs. Brief vom 19. Januar und 5. März 1951
Original im Besitz der Kurt Hiller Gesellschaft
Bs- Aires, 19. Januar 1951

Mein lieber, guter Kurt,

jetzt erst komme ich dazu, Dir Deinen so unerhört schönen Brief zu beantworten. Und das noch nicht einmal definitiv, denn mit Feiertagen, beginnenden Bilanzarbeiten und Sorgen um Devisenbeschaffung, ist so viel Unpersönliches, Uninteressantes, Uninteressierendes zu tun, daß ich noch ein paar Tage warten will, um dann lang, ausführlich und “thematisch” zu schreiben. Ich werde dann nämlich für ein paar Tage allein, mit geschlossenem Laden sein. Was das für mich bedeutet, einmal Ruhe und möglicherweise Zeit zu haben, kannst Du Dir nicht vorstellen. Mein Elend ist ja überhaupt, nie Zeit und Ruhe –

5. März

– da war es aus, und die Hoffnung war auch aus. Mein Gott, es brennt mir auf den Nägeln, und ich komme zu nichts und niemandem. Ich wünschte, ich wäre nicht hier, sondern mitten im Kamp. Ich darf keine Ideen mehr haben, denn es frißt mich auf, weil ich sie nicht heraus bekommen kann. Vor ein paar Tagen bekam ich [eine] sehr freundliche Antwort vom Stadtblatt. Natürlich ist es Jürges. Die Ironie des Falles ist, daß “The banning” des “Weg” für Deutschland auf (unter anderem) meinen Rat zurückzuführen ist, der vom ____[?] Presseattaché eingeholt wurde. Ich hoffe, daß es mir bald gelingt zu schreiben, und vielleicht auch so eine Verbindung anzuknüpfen. – Wir werden hier immer mehr eingenebelt, ich hatte das Glück, vor kurzem einer Provokation um Haaresbreite aus dem Wege zu gehen, die unangenehm werden konnte. – Sehr viel Gedanken an Dich, viel Angst um Dich. Ich weiß nicht, ob es sich lohnt, der anderen Seite den Gefallen zu tun sich auszusetzen. Das Schlimmste, das geschehen könnte, wäre jedoch, wenn sie sich “edel” benehmen würden und nachher sagten, “wir haben ja auch dem Schuft, dem Hiller nichts getan.” Ich wünschte, ich wäre nicht hier, sondern bei Dir. Es wäre alles anders und besser. Ich habe Dein Buch jetzt über Montevideo von irgendeinem lächerlichen Pintscher [!] bestellt. Das heißt, es wird teurer als es nötig wäre. Aber die deutschen Verleger haben es (inclusive Rowohlt) lieber, mit den Ex-Nazis zu geschäfteln, die natürlich über bessere Finanzverbindungen nach Deutschland verfügen. Ich habe eben keine Mark-Konten. Vor lauter Daseinssorgen geht bei mir alles in die Brüche.

Nur soviel für heute. Es wird schon besser werden. Nur weiß ich nie, wie ich aus dem circulus viciosus herauskomme. Es ändert nichts an meiner großen und sehr besorgten Liebe zu Dir. Immer Dein P[eter]

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