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Brief 65

Hilde Bussemeyer an Kurt Hiller
Hs. Brief vom 4. September 1950
Original bei der Kurt Hiller Gesellschaft *
Bln. Neukölln, 4/9/50


Mein lieber Herr Dr. Hiller!
Ich habe mich sehr darüber geärgert, daß Peter sich Ihnen gegenüber so undankbar benimmt. Sie haben seiner immer so in Liebe gedacht und waren mir so sehr gefällig. Ihr Rat war doch gewiß gut und aus reifer Erfahrung heraus gegeben. Am 23.5.[19]50 schrieb er mir über diese Angelegenheit folgendes.

„Der Fall ging übrigens ganz gut aus, aber meine Lust, Beziehungen zu Berlin aufrecht zu erhalten, wurde nicht größer.“

Ist das nicht töricht, falls er mal wieder nach hier will, was dann?

Kennen Sie eine Fr[au] Bella Lewin? Peter hat sie in Frankfurt kennen gelernt, es waren, wie sie mir schrieb, ganz enge Beziehungen, die sie mir in netten Worten schilderte. Sie gab ihre Verlobung auf, um Peter anzugehören. Bald ging er damals nach S.A. [Südamerika] und ließ nichts mehr von sich hören. Sie kam dann mit dem früheren Verlobten zusammen und heiratete ihn. Vor drei Jahren traf sie nun Peter in Buenos Aires wieder, glücklich verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

Peters Leben wäre vielleicht ganz anders verlaufen, wenn er diese Frau gehabt hätte, aber Schuld war wieder seine Schreibfaulheit. Fr. L. hat mir schon manchen lieben Brief geschrieben, auch ist sie wohl immer die treibende Kraft Peter zu einem Brief an mich aufzurütteln. Jetzt war er auf Urlaub in Apostos, hatte mir einen langen Brief versprochen, es aber auch wieder vergessen. Fr. L. schrieb mir, daß Peter unter diesen Unterlassungssünden direkt leidet. Verstehen Sie das?

Heute will ich auch an Peter schreiben. Ihre Karte lege ich bei, ich bin gespannt, ob er sich aufraffen wird, an Sie zu schreiben.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und bin mit herzlichen Grüßen Ihre
Hilde Bussemeyer


Hs. Vermerk von KH: „Nicht beantwortet“