Brief 7
Ms. Brief vom 20. September 1946
Original bei der Kurt Hiller Gesellschaft
Lieber Peter,
heute kam Dein Brief mit der Todesnachricht. Sie griff mir ans Herz, ziemlich kräftig … obwohl zwischen dem Toten und mir ja nie im magisch-holden und unbegreiflichen Sinne FREUNDSCHAFT war, sondern nur (nur!) treueste Kameradschaft. Ich bin ziemlich zerwühlt; es klafft so ähnlich eine Lücke wie damals, als Rubiner starb; 1920, im Februar. Ich meine: in mir eine Lücke; wiewohl, klar!, auch in der Republik der Geister, Objektiv, eine. Als vor kurzem Herr Werfel starb, war die Geistbranche um einen Grossintelektuellen ärmer; in Zech verlor die bessere Hälfte der Menschheit einen Vorkämpfer.
Mir ist lieb, die böse Nachricht durch Dich, also taktvoll und kraftvoll zugleich, erfahren zu haben. Dein Kommentar, re Nachlass, ist mir so innig aus dem Herzen wie jedes sonstige Wort, das ich bis heute von Dir vernahm. Bevor ich die Zeilen über Deine Übernahme des Nachlasses las, war in meinem Kopf aus Wut und Liebe bereits der Entwurf eines Briefs an Dich entstanden, den Du Andern vorzeigen solltest und worin ich streng und feierlich erklären wollte, dass unter allen Menschen in Amerika einzig DU befugt seiest, Pauls litterarischen Nachlass zu verwalten, seinen geistigen Willen zu vollstrecken. Ich wollte in dem Briefe von meinem Rechte in dieser Sache reden und aus meiner Kompetenz als Kampfgenosse des Toten seit dreieinhalb Jahrzehnten und als Präsident des Freiheitsbundes, den er gründen half, DICH als den Mann meines uneingeschränkten Vertrauens legitimieren. Geboren aus Wut und Liebe schwamm dieser Brief da bereits in meinem Bewusstsein, mit schon sich abzeichnenden Konturen, als Deine Zeile kam mit der Mitteilung, Du habest die Sache energisch an Dich gerissen. Diese Briefzeile hatte für mich etwas schlechthin Erlösendes. Ich beglückwünsche Dich zu Deiner Entschlossenheit. Solltest Du irgendwelche Schwierigkeiten haben, so beruf Dich auf mich; ich habe vielleicht ein Anrecht, in dieser Sache gehört zu werden. Die hochgebildete Kakistokratengesellschaft, die sich da andrängt und Dich bedrängt – ich kann sie mir lebhaft vorstellen! Typen, die Paul ankotzten, sollen jetzt als angebliche Intimi und Verehrer die Leiche schänden? Das war 1912 bei Heym so, hier solls aber anders werden! Soweit ich Dir helfen kann, wirds geschehen; Du und kein Andrer hat in dieser Sache mein Vertrauen und meine unbedingte grundsätzliche Zustimmung.
Hinsichtlich der Buchmanuskripte Pauls bemerke ich, dass er in seinem letzten Briefe an michx), vom 1/IX 46, also sechs Tage vor seinem Tode, sich bereit erklärt hat, sie meinem Freunde Kurt Zornig in Hamburg zu geben, wofern dessen Verlagsplan sich realisiert. Die nächsten Monate dürften darüber Klarheit bringen. Übrigens meine ich nicht, dass man, falls ein Verlag wie Oprecht sich interessieren sollte, mit Rücksicht auf Hamburg Nein sagen müsse. Durchaus nicht! Nur möchte ich nicht, dass ein Irgendwer, und auch nicht, dass ein konservativer Scheissverlag (mit Ruhm) Pauls Bücher bekomme. Was Oprecht anlangt, so musst Du Dir, auch inbezug auf Deine eignen Werke, klar darüber sein, dass dieser Verlag Bücher nicht in Deutschland, sondern einzig in der Schweiz und in Amerika, auch Skandinavien etc, vielleicht Österreich absetzen kann, aus valutarischen, aus Geldtransfergründen. Wer vor allem zu Deutschen (“Reichsdeutschen”) sprechen möchte, der darf bis auf weiteres seine Bücher nicht in der Schweiz erscheinen lassen. (Ich hatte über den Punkt mit Dr. Emil Oprecht persönlich Unterredungen in London.)
Gedächtnisbuch: Guter Gedanke. – Ich weiss einige Leute der Literatur, die Paul krass hasste; mit wem (unter Lebenden) er “stand”, weiss ich gar nicht. Er hasste mordsmässig und mit ungeheurem Recht: Herrn Rudolf Leonhard; mordsmässig Herrn August Siemsen; unbedingt die KPD-Typen, durchdiebank-ausnahmslos, die Becher, die Lukacse, die Weisskopfs. Klar: die feinern Nazis. Er liebte – im Gegensatz zu mir, Rilke und Stefan Zweig; da sind ja beide ihm im Tode vorangegangen. Über Dieterle, Meurer, Piscator weiss ich nichts. Piscator ist KP, Meurer (meiner Erinnerung nach) ein Wenigkönner, ein kleiner Edeldilettant, engbrüstig. Kann Dieterle schreiben? Ein grosser Verehrer Pauls war, wenigstens vor 33 Jahren, der holländische Litterat Jan Greshoff. Dieser, schon totgesagt, tauchte unlängst auf, in Südafrika, und ich stehe seit 1914 zum ersten Male wieder in Korrespondenz mit ihm. Gerade dieser Tage bat er mich, Zech zu grüssen. Für alle Fälle teile ich Dir seine Adresse mit: Mr. Jan Greshoff, ’La Verne’, Kloofnekweg, Capetown, South Africa. Er ist meine Generation und unter Holländern wie Buren ziemlich berühmt. Unter den Leuten der DEUTSCHEN BLÄTTER war Paul besonders unsympathisch der Paetel.
Ob Peter Martin Lampel eine Beziehung, innere, zu Paul hat? Hier seine Adresse: 317 West 56. Street, New York 19 N.Y., USA.
Heinrich Mann? 301 So. Swall Drive, Los Angeles, USA.
Ludwig Meidner zeichnete ihn. Seine Adresse: 26, West Heath Drive, London N.W.II. Aber ich kann da nicht anfragen; Meidner und ich sind verkracht.
Weiter wüsste ich keinen.
CENTAUR ist ein (zu snobbisches) viersprachiges Litteraturblatt in Amsterdam, sehr anspruchsvoll in der Aufmachung. 60% holländisch, 35% französisch und englisch, 5% deutsch. Ich hatte bisher Aphorismen drin und ein Gedicht.
Meine hamburger Verhandlungen stürmen vorwärts mit der Schnelligkeit einer alten rheumatischen Schnecke. Schnecke ist immerhin besser als Krebs. Ich bin also nicht völlig ohne alle Hoffnung.
Was Dich anlangt …:
Rundherausgesagt: es geht mir mit Dir magisch. Lese ich so einen Brief von Dir, so kommt mir vor, als evoluire vor meinen Augen die Vollkommenheit deutscher Prosa selbst. Als müsse jeder Satz genau so lauten, bis in die Kommata, wie Du ihn hinschriebst; als sei mein persönlichstes Ideal von Ausdrucksweise hier mühelos verwirklicht. Du hast eine Klarheit, eine (faxenlose) Konzentriertheit, eine Kraft und Heiterkeit des Stils, dass das Herz mir lacht. Und au-dessous des Stils eine Gesinnung, eine Philosophie, eine Haltung zum Dasein, die ich einfach als brüderlich empfinde. Wir haben nie miteinander diskutiert, gar gerungen, und sind einander doch so nahe, so verwandt. Lese ich Dich, so ist mir, als seien wir seit Jahrzehnten enge Freunde.
Zumal nach Pauls Tod nun trittst Du mir, es liegt nahe, an seine Stelle … mit dem Unterschied, dass ich freilich unsre Beziehung nicht bloss als Kamerad- sondern sehr auch als Freundschaft empfinde. Diese Empfindung dürfte, wie nach Freud jeder Trauminhalt, “überdeterminiert” sein; den Knäuel der Ursachfäden aufzudröseln würde zwar einem Leschnitzer Spass machen, schwerlich Dir, bestimmt nicht mir. Nur einen Faden will ich herausziehn: dass ich Paul Zech immer als Jüngsten, Mirnächsten einer Generation vor meiner erlebt habe, während ich trotz des erheblicheren Jahre-Abstands mich stets als Ältesten der Generation fühlte, der Du angehörst. Mein letzter Debatte-Punkt mit Paul war: Rilke. Rilke ist Gegenstand meines leidenschaftlichen Hasses – wegen des Gifts seiner Daueraktion gegen die heiligen Versuche (seit Echnaton, seit Zoroaster, nein, seit Beginn der Entaffung) einer Änderung der Sozialwelt zur Gerechtigkeit hin. Natürlich ist Rilke sehr “meta”; aber ein Metakonservativer kotzt mich viel heftiger an als ein simpler Konservativer. (Dass Beregter Schönheiten der Welt herrlich-schauend, herrlich-klingelnd beschrieb, sei weder verkannt noch ohne Dank gelassen; auch jenem Raubmörder von Beruf sei als mildernd angerechnet, dass er als Züchter zu Kaninchen so nett war.) Paul verstand meinen Hass auf Rilke – meinen übrigens noch anderweit begründeten – in seiner klugen und kameradschaftsgünstigen Art, aber er teilte ihn eben nicht. Er teilte lediglich, partiell, meine Bedenken. Auch gegenüber einem weichlichen Kitschian wie Stefan Zweig war er, als ihm konge__rationell, zu konziliant. Er war überhaupt mehr Dichter als Denker, und sein – wie ich stets fand – prächtiges Kämpfertum war eher einem wunderbaren Instinkt flammenhaft entzuckt als dem vulkanischen Innern einer rationalen, ideologischen Konzeption entschiessende Lava. Bei mir bedeutet das Dichterische; ich hab halt auch einen Südpol; er, er war Südpol, mit gelegentlichen Trips ans Nordende. Bei Dir ists, ahne ich, ähnlich wie bei mir; vielleicht bist Du äquatorialer als ich, wohnst aber sicher, wie ich, auf der nördlichen Hemisphäre …
Ich sandte unlängst Deine, wie mir scheint, einfach klassisch geformte Kurzgeschichte über López von Paraguay unserm Walther Karsch, als Beweisstück für das Bussemeyerologisma in einem meiner Briefe zuvor. Übrigens hatte Walther auf meine, wie Du ahnst, nicht un-enthusiastische Bemerkung über Dich nicht etwa zweifelnd, sondern mit ernster Freude reagiert. Er lässt Dich herzlichst grüssen. Ich zweifle nicht, dass, wenn Du zurückkehrst, er das Erdenkliche für Dich tun wird. Magischerweise hat in einem seiner bedeutendsten politischen Essays (über einen Entnazifizierungsfall in Hamburg, an dem ich persönlich scharf interessiert bin) jener López eine Rolle, eine zentrale Rolle gespielt … ohne dass Walther auch nur die leiseste Ahnung hatte, dass darüber von Dir eine Erzählung existiert. “Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde …”
Um über das Persönliche zwischen Dir und mir ein Letztes zu sagen: Ich erlebe diese Beziehung als paradigmatischen Fall einer unausgelebten Freundschaft mit toller Chance, spät (aber nicht zu spät) zum Aufblühn zu kommen. Da zu meinen Hauptlastern die Unfähigkeit und Ungewilltheit gehört, “zwischen Person und Sache zu unterscheiden”, so hätte mein junges leidenschaftliches Ja zu Dir nie entstehn können ohne die Lektüre der gedruckten Arbeiten von Dir, die Du die freundschaftliche Güte hattest mir zu schicken, und ohne Deine prachtvollen, bis in das kleinste Äderchen meinen Instinkten adäquaten Briefe. Ich bin in Deinen Stil ganz einfach verliebt. Mancher schreibt ebenso klar wie Du, mancher ebenso kraftvoll. Wer aber, seit der Klassiker, schreibt so klar und kraftvoll zugleich? (Und, bei aller Behendheit, so mätzchenlos?) Dich ehrt Dein Zweifel an Dir; die Dich krankmachende Angst, Deine Arbeiten könnten bloss für Südamerika Rang haben. Aber ich teile den Zweifel nicht; ganz und gar nicht. Stelle ich mir vor, meinen paar englischen und deutschen Freunden in Hamburg könne gelingen, was sie vorhaben: einen hohen Kommandoposten der Publizistik dort frei für mich zu machen, so gehört zu der Vorstellung Dein Mittun; nicht, dass ich mir anmaße, über Dich verfügen zu wollen; aber wenn Du mir dann erlaubst, Arbeiten von Dir zu drucken, so wird mir das Freude und Ehre, dem Blatt und seinen Lesern Gewinn sein. Gewinn durch den Sachinhalt alles dessen, was Du schreiben wirst, und durch Deine wirklich prachtvolle, vorbildliche Ausdrucksart.
Sätze wie meine obigen passen mir imgrunde nicht; deswegen nicht, weil im Loben Überhebung liegt. Gerade Dir gegenüber weiss ich mich aber ganz frei von Überhebung. Nun, Du wirst mich schon nicht missverstehn.
Noch rasch die Frage, ob Du bereit bist, anstelle Pauls in das Präsidium des FREIHEITSBUNDs DEUTSCHER SOZIALISTEN einzutreten. Nach einer guten und erquicklichen langen Rücksprache, die ich neulich mit Friters hatte, steht so gut wie fest, dass wir den Bund nach Deutschland transferieren werden, mit einem uns klar von der SPD (geschweige andern Parteien) abgrenzenden Aufruf, welcher aber zugleich erklären wird: wir wollen nicht Partei sein, sondern ein Freiheitler- und Sozialistenbund zur Kritik der Parteien. (Keiner bloss negativen Kritik, sondern einer konstruktiven, produktiven: aufgrund ideologischer Ursätze, die in dem Aufruf knapp-knusprig geformt werden sollen.)
Von den drei Präsidenten des Gründungsmonats, 1939, lebt nur der eine noch. Alfred Grünewald (Wien) wurde von Nizza aus in die polnische Gaskammer verschleppt, 1943; Paul Zech starb jetzt. Ich stelle mir das neue Zentralpräsidium als aus Dir und mir, ferner aus Alexander Seidel oder (und) Kurt Zornig bestehend vor. Seidel lebt vorerst in Oslo, Zornig ist in Hamburg. Leitung des Londoner Arbeitskreises: KH, Friters, Koffler. Sollte, was noch dahinsteht, Friters remigrieren, so müsste er in D. als der Prachtkerl, zu dem er sich im Exil entwickelt hat, dem Präsidium mitangehören.
Völlig enttäuscht hat Brehm. Ich weiss nicht, ob Du ihn kannstest. So, wie Bayer ins opportunisierend-Pronazistische glitt, so glitt Brehm ins opportunisierend-Quislingsche, foerster-like, küster-like, pro Warschau und Paris.
Noch ein Nachwort zu Deinen Dich selbst betreffenden Zweifeln. Einen Rat. Vernachlässige nie das Training, die Fingerübungen. Ich weiss von mir, dass ich, was ich gekonnt habe, verlernt hätte, wenn ich nicht in den Londoner fast publikationslosen Jahren ständig, ständig, ständig geschrieben hätte. Was? Erstens Vorlesungstexte für ein leider lütteschmales Publikümle, zweitens Briefe. – Das half; und wie! – Es ist mit dem Gehirn wie mit den Muskeln; beides will geübt sein. Auch ein ursprünglich gutbemuskelter Mensch wird aesthenisch oder verfettet, wenn er zu turnen unterlässt (oder sonst einen Sport tüchtig zu betreiben); wohin gerät der Musikvirtuose ohne dauernde Übungen, wohin der Maler, wohin der Schreiber? “Gehirnathletik” war für uns ein burschikoses Satire-Wort; sehr zu unrecht; wir bedürfen ihrer. Genau, wie wir der rumpflichen Gymnastik bedürfen.
Ich freue mich schon bannig auf Deine Antwort. Nochmals: lass bitte keinen Fragepunkt aus; ich glaube, aus meinem vorletzten Brief ist noch einzelnes unbeantwortet.
Könntest Du mir den, Dein Ausdruck, schamlosen Nachruf auf Paul im AT schicken? Mich ersuchte man gestern (ich schreibe nämlich den Rest dieses Briefs am Morgen des 21sten) um “zehn Zeilen” über Paul für die hiesige, recht ordentlich redigierte Kriegsgefangenenzeitung DIE WOCHENPOST. Ich schrieb achtzehn und stellte die Bedingung, dass kein Wort geändert, gestrichen oder hinzugesetzt werde. Ob unter diesen Umständen die Notiz (sie “gelang” mir) erscheinen wird, weiss der Teufel. Ich kann da Verballhornungen durch gewerkschaftssekretarielles Edelkafferntum nicht zulassen. Bei achtzehn Seiten liesse ich mit mir reden, bei achtzehn Zeilen nicht. Du stimmst Dem gewiss zu?
Dein Gedicht auf Zech: Winzigkeiten eher technischer Art in Strophe 2 würde ich retuschieren, ferner in Strophe 3 Vers 3 statt TAG lieber TAGE sagen (auch wohl in Strophe 1 Vers 2 statt WIR ES lieber WIRS). Du bist gegen das Dudeln; ich auch. Aber zwischen obsoletem Dudeln und kalter Rempelschulter gegen die Sonettform (falls man sie anwendet) gibts eine goldne Mitte. Gedankengeborene Aufgelockertheit der Musik? Jawohl! Aber Musik muss sie, bei aller Lockerung, bleiben. – Dies ist ein technischer Einwand. Ein rein artistischer. Davon abgesehen ist Dein Gedicht aus jener männlichen Tiefe und von jener Gestaltungskraft, die mich zu Dir als einem meiner verehrungswürdigsten Kameraden aufblicken lassen. Dies Gedicht ist kein aufpoliertes Typengedicht zum Tode eines Dichters; vielmehr sagt es das individualiter Wesentliche über Zech`s Tod aus, einzig über seinen. Und sagt es kraft eines vornehmen Künstlertums aus. Ein klein wenig in seinem Stil; gewollt so; gerade dies ist vornehm. Goethe’s berühmter Nachruf auf Schiller (“… denn er war unser …”) ist das einzige Gedicht Goethe’s mit etwas Schillerpathos.
Nun schliesse ich aber und sende Dir, mein Peter, in kameradschaftlicher Ehrerbietung und in, ich leugne es nicht, stürmischer Freundschaft meine auf koorperative Jahrfünfte zwischen uns erpichten Grüsse.
Dein Kurt
Ad Briefmarken: Ich bitte Dich ganz dringend, keinesfalls irgend Geld für mein blödes hobby auszugeben, sondern mir höchstens dann und wann zu schicken, was Du aus der Korrespondenz (und so) ohnehin hast.
Ich behalte sicher noch hübsche Zeit diese Adresse. Meine hamburger Verhandlungen eilen vorwärts mit der Schnelligkeit einer steinalten asthmatischen und rheumatischen Schnecke. (Schnecke ist immerhin besser als Krebs.) – Ende Oktober soll ich in Hamburg auf einer “Kulturtagung” den philosophischen Fundamentsvortrag halten. Sehr ehrenvoll. Ich wählte das Thema: GEISTIGE GRUNDLAGEN EINES SCHÖPFERISCHEN DEUTSCHLANDS DER ZUKUNFT. Dieser Vorschlag wurde von dem dortigen Komitee einstimmig angenommen. Ob meine Vorlesung nicht am Widerstand der Militärbürokratie scheitern wird, muss sich erst noch herausstellen. Gewisse Kreise arbeiten viel lieber mit den bügelfaltigen feinern Nazis zusammen als mit unsereinem. Der mir wohlgesinnte Offizierstyp ist natürlich minoritär. Nicht einflusslos, aber minoritär. Der Chef der Zivilverwaltung, Mr. Hynd, ist eine Null, ein horizontloser altsozialdemokratischer gutwilliger Niemand. (Dies unter uns.)
K.
Ich sehe beim durchsehn, dass ich dies ____ schon mal hintippte.
Pardon!x) in wessen Besitz geraten meine Briefe an Paul??
Und meine Bücher? Von mir aus in Deinen!